Nun steht da also eine Riesenfläche mitten in Berlin zur Disposition. Der Flugbetrieb ist nach über 85 Jahren eingestellt, wo der Platz längst zu klein geworden ist und entsprechende Alternativen bereitstehen bzw. im Bau sind. Die Rede ist vom Berliner
Flughafen Tempelhof: Ein gerade in Businesskreisen und unter Bundespolitikern liebgewonnener zentraler Abflugs- und Ankunftsort ist jetzt für den Flugverkehr gesperrt. Aus Kostengründen, wie könnte es anders sein - wahrscheinlich auch ein bißchen um dem Großflughafen BBI unter die Arme zu greifen.
Die Immobiliengeier kreisen über dem Gelände und versuchen Herr der Lage zu werden, in dem sie versuchen etliche Vorschläge dem Volk schmackhaft zu machen. Dabei ist die Rede von neuen Wohnbauprojekten und einer Erschließung der unbebauten Grünfläche als Parklandschaft. Als ob es nicht genügend leerstehende Wohnungen in allen Bezirken Berlins gäbe. Wieder andere wollen auf dem Gelände einen Vergnügungspark errichten. Eine Reinkarnation des
Spreeparks möglicherweise.
Und wären wir nicht in Berlin würden wahrscheinlich schon die Bagger und Raupen auf dem Gelände stehen und Erdmaßen von der einen in die andere Ecke schaufeln. Dass die Stadtväter und Großunternehmer das einfach unter sich aus machen, wäre wohl in jeder anderen deutschen Stadt möglich. In Berlin - und darauf können wir wirklich stolz sein - gibt es das noch nicht. Die Leute stehen noch auf für ihre Ideale und Ideen. Es wird dafür gekämpft und sich eingebracht. Notfalls besetzt. Berliner stehen für ihre Sehnsüchte und Träume ein.
So ist es auch nicht verwunderlich dass mutige und vielleicht auch illusionäre Ideen teils großen Anklang finden. Wieso also nicht etwas Neues wagen? Wieso den Platz nicht für etwas nie da gewesenes nutzen? Berlin ist flach, in Teilen sehr flach. Aussicht, über die Stadt, hat man auf über 300 Metern vom Fernsehturm am Alexanderplatz. Jedoch verwehren einem dicke, getönte Glasscheiben und der Prunk der alten Tage eine freie Sicht auf die Dinge. Was Berlin fehlt ist ein Berg. Ein Wandergebiet im Sommer. Die schneeverhangene Piste im Winter. Eine Aussicht auf die größte und bewegendste Stadt Deutschlands, auf das neue europäische Aushängeschild. Als Neu-Berliner ist einem dieser Gedanke nicht fremd. Gerade die vielen Schwaben und Badener, die, wie man immer sagt in großer Anzahl in Berlin leben, wissen von was ich rede.
Und Berlin wäre nicht Berlin wenn sich für diese Idee keine Anhänger fände.
The Berg, eine Arbeit von Jakob Tigges.
Der Erfinder sagt über seine Idee:
Das Resultat der Bergkampagne wäre eine real-existierende imaginäre Sehenswürdigkeit von hoher Anziehungskraft und großem Identifikationspotenzial. Tempelhof wäre im Bewusstsein nicht nur der Berliner. Die Leute würden in Scharen kommen, um den Berg nicht zu sehen.
In Zeiten wo Milliarden an Gelder für die Wiederauferstehung eines von niemand benötigtem Stadtschloß fließen, sollten sich Investoren überlegen ob sie nicht lieber in ein Monument investieren das weitaus länger Bestand und sicher auch Rückhalt in der Bevölkerung hätte. Berlin wäre um ein Attraktion reicher und Wowereit könnte sich zum König dieser neuen "Alpenrepublik" krönen lassen.
Jener, der den Begriff \"Subproletariat\" am stärksten prägte, war der Schriftsteller Pier Paolo [...]